76 Prozent der deutschen Unternehmen, die KI einsetzen, nutzen ChatGPT. Gleichzeitig nennen 66 Prozent den Datenschutz als größte Hürde, und 93 Prozent würden eine KI aus Deutschland bevorzugen, wenn sie die Wahl hätten. Das zeigen zwei Bitkom-Befragungen vom Sommer 2026. Zwischen dem, was Unternehmen nutzen, und dem, was sie eigentlich wollen, klafft also eine Lücke. Und in vielen Firmen wird diese Lücke längst von Mitarbeitenden gefüllt, die mit privaten Konten arbeiten.
Die gute Nachricht: Es gibt 2026 mehr seriöse Alternativen zu ChatGPT als je zuvor. Die schlechte: Die meisten Vergleiche im Netz stammen von Anbietern, die ihr eigenes Produkt auf Platz 1 setzen. Dieser Leitfaden vergleicht zwölf Corporate LLMs nach offen gelegten Kriterien, rechnet die Kosten pro Nutzer durch und behandelt die Fragen, die in fast allen anderen Vergleichen fehlen: Betriebsrat, EU AI Act nach dem Digital-Omnibus, Anbieterwechsel und Zugriffsrechte auf Firmenwissen.
Was ist ein Corporate LLM?
Ein Corporate LLM (auch Firmen-GPT, Unternehmens-GPT oder Company GPT genannt) ist ein KI-Assistent auf Basis großer Sprachmodelle, den ein Unternehmen zentral lizenziert und verwaltet. Im Unterschied zur privaten ChatGPT-Nutzung gibt es einen Vertrag nach Art. 28 DSGVO, eine Anmeldung über das Firmenkonto (Single Sign-on), Rollen und Rechte, eine Protokollierung und die vertragliche Zusage, dass Eingaben nicht zum Training der Modelle verwendet werden.
Der Begriff ist irreführend: Fast nie trainiert ein Unternehmen dafür ein eigenes Sprachmodell. Stattdessen nutzt die Plattform bestehende Modelle wie GPT, Claude, Gemini oder Mistral und verbindet sie mit Firmenwissen. Welches Modell dahinter arbeitet, ist für die Entscheidung oft weniger wichtig als die Frage, wo es läuft, wer Zugriff auf die Infrastruktur hat und wie es an Ihre Daten kommt.
Drei Grundtypen lassen sich unterscheiden:
| Typ | Beispiele | Typisch für |
|---|---|---|
| Direkt beim Modellhersteller | ChatGPT Business/Enterprise, Claude Team, Mistral Le Chat | Schneller Start, ein Modellanbieter |
| Integriert in die Büro-Software | Microsoft Copilot, Google Gemini | Firmen, die fest auf M365 oder Workspace setzen |
| Plattform mit mehreren Modellen | Langdock, meinGPT, nuwacom, 506.ai, Telekom Business GPT | EU-Hosting, Modellwahl, Wissensanbindung |
| Eigenbetrieb | Open WebUI oder LibreChat mit STACKIT, IONOS oder eigener Hardware | Höchster Schutzbedarf, eigene IT |
Warum Unternehmen eine ChatGPT-Alternative suchen
Schatten-KI ist längst Realität
Laut Bitkom ist die private KI-Nutzung für dienstliche Zwecke in 8 Prozent der Unternehmen weit verbreitet, in weiteren 17 Prozent gibt es Einzelfälle, und 17 Prozent vermuten sie. Gleichzeitig stellen nur 26 Prozent der Unternehmen ihren Beschäftigten offiziell KI-Werkzeuge bereit. Im Mittelstand ist die Lücke besonders groß: Bei kleinen Unternehmen sind es 23 Prozent, bei mittleren 36 Prozent.
Das Problem an Schatten-KI ist nicht die KI, sondern der fehlende Rahmen. Wer als Mitarbeiter ein Angebot mit Kundendaten in ein privates ChatGPT-Konto kopiert, überträgt personenbezogene Daten ohne Auftragsverarbeitungsvertrag an einen Dritten. Je nach Einstellung des privaten Kontos können die Eingaben zudem für das Training verwendet werden. Ein Verbot allein hilft selten. Wirksamer ist ein offizielles Angebot, das mindestens so gut funktioniert wie das private.
Datenschutz, Datenhoheit und Kundenanforderungen
Der zweite Treiber sind Anforderungen von außen: Kunden in der Automobilindustrie, im Gesundheitswesen oder im öffentlichen Sektor fragen in Lieferantenaudits zunehmend, welche KI-Dienste verarbeiten und wo. Berufsgeheimnisträger wie Steuerberater, Anwälte oder Ärzte unterliegen zusätzlich § 203 StGB. Für sie reicht ein Standardvertrag mit einem US-Anbieter oft nicht aus.
Kosten und Abhängigkeit
Der dritte Treiber ist wirtschaftlich. Wer 200 Lizenzen eines einzigen Anbieters bucht, macht sich abhängig von dessen Preispolitik und Modellqualität. Plattformen mit mehreren Modellen versprechen, jederzeit auf das jeweils beste oder günstigste Modell wechseln zu können. Ob das in der Praxis gelingt, hängt von Vertrag und Datenexport ab, dazu mehr im Abschnitt zum Anbieterwechsel.
Die 12 Corporate LLMs im Vergleich
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kriterien zusammen. Detailprofile mit Stärken und Grenzen folgen im Anschluss.
| Anbieter | Firmensitz | Hosting / Verarbeitung | Modelle | Preis (Liste) | Firmenwissen anbinden |
|---|---|---|---|---|---|
| ChatGPT Business | USA (Vertrag: OpenAI Ireland) | USA/global; EU-Datenresidenz für Enterprise | GPT | 20 $ pro Nutzer (jährlich), ab 2 Nutzern | Konnektoren u. a. SharePoint, Google Drive |
| ChatGPT Enterprise | USA (Vertrag: OpenAI Ireland) | EU-Speicherung und EU-Inferenz buchbar | GPT | auf Anfrage | Konnektoren, Admin-Funktionen |
| Microsoft Copilot | USA | EU Data Boundary (mit Ausnahmen) | GPT, teils Claude | 18,20 € Add-on; Copilot Chat in M365 enthalten | SharePoint, OneDrive, Teams, Outlook |
| Google Gemini | USA | Datenregion EU je nach Tarif | Gemini | in Workspace-Plänen enthalten (ab 6,80 €) | Gmail, Drive, Docs |
| Claude Team / Enterprise | USA | Direkt: keine EU-Datenresidenz dokumentiert | Claude | 20 $ pro Nutzer (Team, jährlich) | Projekte, Integrationen |
| Mistral Le Chat | Frankreich | EU; Self-Hosting und eigene Cloud möglich | Mistral | 24,99 $ pro Nutzer (Team) | SharePoint, OneDrive, Google Drive u. a. |
| Langdock | Deutschland (Berlin) | Azure EU | GPT, Claude, Gemini, Mistral u. a. | ca. 25 € pro Nutzer | SharePoint, OneDrive, Google Drive, Confluence |
| meinGPT | Deutschland (Unterhaching) | Hetzner, Deutschland | GPT, Claude, Gemini, offene EU-Modelle | ab 18 € Plattform + Modellbudget | M365/SharePoint, Confluence, SAP u. a. |
| nuwacom | Deutschland (Koblenz) | Azure EU, optional STACKIT | mehrere | 25 € pro Nutzer (jährlich) | Wissensbasis, Sync im Enterprise-Tarif |
| 506.ai CompanyGPT | Österreich | EU, auch Österreich; Private Cloud | mehrere | Lizenz pro Nutzer + Server-Pauschale | SharePoint, SSO im Enterprise-Tarif |
| Telekom Business GPT | Deutschland | Microsoft-Cloud in Europa | GPT | auf Anfrage | Firmendokumente |
| Eigenbetrieb (Open WebUI / LibreChat + STACKIT, IONOS oder On-Premise) | frei wählbar | Deutschland oder eigenes Rechenzentrum | offene Modelle (Llama, Mistral, Qwen, GPT-OSS u. a.) | Token-Preise ab ca. 0,10–0,15 € je Mio. + Betrieb | individuell über eigene RAG-Anbindung |
So haben wir verglichen
Wir haben ausschließlich öffentlich zugängliche Angaben der Anbieter ausgewertet: Preisseiten, technische Dokumentationen, Trust-Center und Datenschutzhinweise, Stand 23. September 2026. Bewertet haben wir fünf Bereiche, die für den Mittelstand entscheiden:
- Datenschutz und Datenhoheit: AV-Vertrag, Hosting-Standort, Trainingsausschluss, Sitz des Anbieters, Zertifizierungen
- Funktionen: Modellauswahl, Assistenten, Dateianalyse, Websuche
- Kosten: Preis pro Nutzer, Mindestabnahme, Zusatzkosten für Modelle oder Workflows
- Integration: Anbindung von SharePoint, Confluence und Laufwerken, Single Sign-on, Rechteverwaltung
- Betrieb: Aufwand für die eigene IT, Datenexport, Kündbarkeit
Eine Gesamtnote vergeben wir bewusst nicht. Ob ein Anbieter „der beste“ ist, hängt davon ab, welche dieser fünf Bereiche für Ihr Unternehmen am schwersten wiegen. Deshalb sortieren wir die Anbieter nach Einsatzfall und nicht nach Rangliste.
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Ist ChatGPT im Unternehmen DSGVO-konform nutzbar?
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf den Tarif an. Viele Vergleichsartikel stellen ChatGPT pauschal als datenschutzwidrig dar. Das ist für die Business- und Enterprise-Tarife nicht korrekt, und wer seine Entscheidung auf dieser falschen Annahme aufbaut, schließt womöglich die für ihn passende Lösung aus.
| ChatGPT Free / Plus (privat) | ChatGPT Business | ChatGPT Enterprise | |
|---|---|---|---|
| Training auf Eingaben | je nach Einstellung möglich | standardmäßig nein | standardmäßig nein |
| AV-Vertrag (Art. 28 DSGVO) | nein | ja, mit OpenAI Ireland | ja, mit OpenAI Ireland |
| Single Sign-on | nein | ja (SAML) | ja |
| EU-Datenresidenz | nein | beim Vertrieb erfragen | Speicherung und Verarbeitung in der EU buchbar |
| Zertifizierungen | – | SOC 2 Type 2, ISO 27001 u. a. | SOC 2 Type 2, ISO 27001 u. a. |
Private Konten sind für dienstliche Zwecke tabu. Business und Enterprise lassen sich dagegen datenschutzkonform einsetzen, wenn der AV-Vertrag abgeschlossen, die Datenverarbeitung im Verzeichnis dokumentiert und klar geregelt ist, welche Daten eingegeben werden dürfen. Bleibt die Frage des US-Zugriffs, die wir im Abschnitt zur Souveränität behandeln.
Die Datenschutzkonferenz (DSK) hat in ihrer Orientierungshilfe „Künstliche Intelligenz und Datenschutz“ vom Mai 2024 die Kriterien zusammengefasst, die für den Einsatz von LLM-Chatbots gelten. Sie gelten für alle Anbieter in diesem Vergleich, nicht nur für OpenAI.
Die Anbieter im Detail, sortiert nach Einsatzfall
Für Microsoft-365-Unternehmen: Microsoft Copilot
Was es ist: Microsofts KI-Assistent, der direkt in Outlook, Teams, Word, Excel und SharePoint arbeitet. Seit 2026 heißt das Produkt schlicht „Microsoft Copilot“. Der einfache Copilot Chat ist in den M365-Business- und Enterprise-Plänen ohne Aufpreis enthalten, arbeitet mit Websuche und Enterprise Data Protection. Die volle Integration in Ihre Dokumente und Postfächer kostet als Copilot Business 18,20 € pro Nutzer und Monat bei jährlicher Zahlung, zusätzlich zur M365-Lizenz.
Stärken:
- Keine neue Plattform, keine neue Anmeldung, kein Medienbruch
- Copilot zeigt nur Inhalte an, auf die der Nutzer auch selbst Zugriff hat
- Prompts und Antworten werden nicht zum Training der Basismodelle genutzt
- Der Hessische Datenschutzbeauftragte hat im November 2025 festgestellt, dass Microsoft 365 datenschutzkonform genutzt werden kann, wenn die in seinem Bericht genannten Auflagen umgesetzt werden
Grenzen:
- Copilot ist ein Dienst der EU Data Boundary, Anthropic-Modelle sind davon aber derzeit ausgenommen
- Mit Flex Routing kann Microsoft bei Lastspitzen die Verarbeitung außerhalb der EU Data Boundary durchführen. Administratoren können das abschalten. Prüfen Sie diese Einstellung vor dem Rollout
- Copilot legt schonungslos offen, wie gut Ihre Berechtigungen in SharePoint und Teams gepflegt sind. Ordner, die „für alle“ freigegeben sind, findet Copilot auch für alle
Für Google-Workspace-Unternehmen: Gemini
Was es ist: Gemini ist in den Google-Workspace-Plänen enthalten (Business Starter ab 6,80 €, Standard 13,60 €, Plus 21,10 € pro Nutzer und Monat) und arbeitet in Gmail, Docs, Sheets und Drive. Für eigene Agenten gibt es zusätzlich die separate Plattform Gemini Enterprise.
Stärken: Kein Zusatzpreis für die Grundfunktionen, keine Nutzung der Prompts für das Training, Datenregionen je nach Tarif konfigurierbar, Zertifizierungen nach BSI C5 und ISO 42001.
Grenzen: Die Business-Pläne sind auf 300 Nutzer begrenzt. Wie bei Copilot gilt: Die Qualität der Ergebnisse hängt davon ab, wie aufgeräumt Ihre Freigaben in Drive sind. Und Google bleibt ein US-Konzern, mit allen Fragen, die das für die Souveränität aufwirft.
Plattformen mit mehreren Modellen aus Europa
Diese Plattformen sind die eigentliche „ChatGPT-Alternative“, nach der die meisten Mittelständler suchen: eine Oberfläche, die sich anfühlt wie ChatGPT, aber mehrere Modelle anbietet, in der EU betrieben wird und Firmenwissen anbindet.
Langdock
Das Berliner Unternehmen betreibt seine Plattform auf Microsoft Azure in der EU. Nutzer wählen zwischen Modellen von OpenAI, Anthropic, Google, Mistral und weiteren, die meisten davon EU-gehostet. Der Business-Tarif kostet rund 25 € pro Nutzer und Monat, bei jährlicher Zahlung gibt es Rabatt. Workflows werden separat abgerechnet. Langdock ist nach ISO 27001 und SOC 2 Type II zertifiziert, trainiert nicht auf Kundendaten und synchronisiert Ordner aus SharePoint, OneDrive, Google Drive und Confluence. Single Sign-on und automatische Benutzerverwaltung (SCIM) sind im Business-Tarif enthalten. Für sehr große Kunden gibt es dedizierte Instanzen und On-Premise-Betrieb.
meinGPT
meinGPT von der SelectCode GmbH aus Unterhaching läuft auf Servern von Hetzner in Deutschland und ist nach ISO 27001:2022 zertifiziert. Das Preismodell trennt Plattform und Modelle: Die Plattformlizenz beginnt bei 18 € pro Nutzer für bis zu 50 Nutzer und sinkt mit der Nutzerzahl deutlich. Hinzu kommt ein Budget für die Modellnutzung. Angebunden werden können unter anderem M365, SharePoint, Confluence und SAP. Neben GPT, Claude und Gemini stehen offene europäische Modelle zur Verfügung.
nuwacom
Die Plattform aus Koblenz kostet im Business-Tarif 25 € pro Nutzer und Monat bei jährlicher Zahlung, Enterprise beginnt ab 20 Nutzern. Gehostet wird auf Azure in Europa, auf Wunsch ausschließlich in Deutschland über STACKIT. nuwacom ist nach ISO 27001 zertifiziert. Die automatische Synchronisation der Wissensbasis und eine DORA-konforme Governance gibt es im Enterprise-Tarif, was für Finanzdienstleister interessant ist.
506.ai CompanyGPT
Der österreichische Anbieter betreibt CompanyGPT ausschließlich in der EU, auf Wunsch in Österreich, und ist nach ISO 27001 zertifiziert. Das Preismodell kombiniert eine Lizenz pro Nutzer mit einer monatlichen Pauschale für einen eigenen Private-Cloud-Server. Der Enterprise-Einstiegstarif ist eine Pauschale für bis zu 50 Nutzer inklusive SharePoint-Anbindung und Single Sign-on. Das kann für Unternehmen mit genau dieser Größe günstiger sein als reine Lizenzmodelle.
Telekom Business GPT
Die Telekom-Tochter MMS bietet mit Business GPT eine Lösung auf Basis von OpenAI-Modellen in der Microsoft-Cloud in Europa an, inklusive Anbindung von Firmendokumenten. Für Unternehmen, die einen deutschen Vertragspartner mit bekanntem Namen bevorzugen, ist das eine Option. Beachten Sie aber: Die Infrastruktur darunter ist Microsoft. Preise veröffentlicht die Telekom nicht.
Direkt beim Modellhersteller: Claude und Mistral
Claude Team und Enterprise
Anthropic bietet Claude im Team-Tarif für 20 $ pro Nutzer und Monat bei jährlicher Zahlung an, ab zwei Nutzern, mit Single Sign-on und ohne Training auf Ihren Inhalten. Ein Premium-Platz mit höheren Limits kostet 100 $. Der Enterprise-Tarif kombiniert einen Grundpreis pro Platz mit Nutzungskosten zu API-Preisen und bietet SCIM, Rollen, Audit-Logs und eine Compliance-Schnittstelle. Anthropic ist nach SOC 2 Type II, ISO 27001 und ISO 42001 zertifiziert.
Der Haken für europäische Unternehmen: Für die direkte Nutzung von Claude ist keine EU-Datenresidenz dokumentiert. Wer Claude mit Verarbeitung in der EU nutzen will, geht in der Regel über AWS Bedrock oder Google Vertex AI oder über eine der oben genannten Plattformen. Einen detaillierten Modellvergleich finden Sie in unserem Artikel ChatGPT vs. Claude.
Mistral Le Chat Enterprise
Mistral ist der wichtigste europäische Modellhersteller. Le Chat kostet im Team-Tarif 24,99 $ pro Nutzer und Monat. Der Enterprise-Tarif mit SAML-SSO, Audit-Logs und White-Label-Option ist individuell verhandelbar. Die Besonderheit: Mistral erlaubt den Betrieb in der Mistral-Cloud, in Ihrer eigenen Cloud oder vollständig selbst gehostet. Konnektoren zu SharePoint, OneDrive, Google Drive und Gmail sind vorhanden, Zertifizierungen nach SOC 2 Type II sowie ISO 27001 und 27701 ebenfalls. Laut Bitkom nutzt allerdings praktisch noch kein deutsches Unternehmen Mistral, obwohl sich die große Mehrheit europäische Anbieter wünscht.
Aus Aleph Alpha wird Cohere: Was die Fusion bedeutet
Aleph Alpha aus Heidelberg galt lange als die deutsche Antwort auf OpenAI. Seit 2024 entwickelt das Unternehmen keine eigenen großen Basismodelle mehr, sondern setzt auf die Plattform PhariaAI. Am 16. September 2026 haben Aleph Alpha und der kanadische Anbieter Cohere den Vertrag über ihre Fusion unterzeichnet. Das gemeinsame Unternehmen soll Cohere heißen, Standorte in Berlin und Toronto haben und die Plattform auf STACKIT betreiben, der Cloud der Schwarz-Gruppe. Die Schwarz-Gruppe beteiligt sich mit rund 500 Millionen Euro. Die Behörden müssen noch zustimmen.
Für Unternehmen, die heute eine Entscheidung treffen, heißt das: Die „transatlantische souveräne KI“ ist angekündigt, aber noch nicht als fertiges Produkt für den Mittelstand verfügbar. Beobachten Sie die Entwicklung, bauen Sie Ihre Strategie aber nicht allein darauf.
Maximale Datenhoheit: Eigenbetrieb mit offenen Modellen
Wer die volle Kontrolle will, kombiniert eine selbst betriebene Chat-Oberfläche mit Modellen aus einer deutschen Cloud oder von eigener Hardware:
- Oberfläche: Open WebUI oder LibreChat bieten eine ChatGPT-ähnliche Oberfläche mit Anmeldung über LDAP, SAML oder OAuth. Achtung bei Open WebUI: Seit Version 0.6.6 gilt eine Lizenzklausel, nach der das Branding ab 50 Nutzern nicht entfernt werden darf. LibreChat steht unter MIT-Lizenz und gehört seit November 2025 zu ClickHouse, bleibt aber Open Source.
- Modelle aus deutscher Cloud: STACKIT betreibt sein AI Model Serving in Deutschland, ist nach BSI C5 und ISO 27001 zertifiziert und speichert Eingaben weder noch nutzt es sie für Training. Im Angebot sind unter anderem Llama 3.3 70B, GPT-OSS und Qwen-Modelle, abgerechnet wird pro Token. Der IONOS AI Model Hub in Berlin bietet eine vergleichbare, OpenAI-kompatible Schnittstelle, ebenfalls mit C5 und ISO 27001.
- Modelle auf eigener Hardware: Ab einem gewissen Volumen oder bei Berufsgeheimnissen kann eigene Hardware sinnvoll sein. Wann sich das rechnet, zeigt unser Vergleich lokale KI vs. Cloud-KI. Welche offenen Modelle taugen, steht im Open-Source-LLM-Vergleich.
Der Preis für diese Freiheit ist Betriebsaufwand: Updates, Monitoring, Benutzerverwaltung und Support liegen bei Ihnen oder einem Dienstleister. Die Token-Kosten sind dagegen fast vernachlässigbar, wie der Rechner im nächsten Abschnitt zeigt.
Sie wollen eine Vorauswahl, die zu Ihrem Unternehmen passt?
Wir gleichen Ihre Anforderungen an Datenschutz, IT-Landschaft und Budget mit den Anbietern ab und empfehlen zwei bis drei Kandidaten für einen Test.
Was kostet ein Corporate LLM pro Mitarbeiter?
Die Listenpreise der meisten Plattformen liegen zwischen 18 und 25 € pro Nutzer und Monat. Bei 50 Mitarbeitenden sind das 900 bis 1.250 € im Monat, bei 200 Mitarbeitenden 3.600 bis 5.000 €. Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind damit kleiner, als viele erwarten. Entscheidender sind drei Punkte, die in Preisvergleichen oft fehlen:
- Zusatzkosten: Manche Plattformen rechnen Modellnutzung, Workflows oder API-Zugriffe separat ab. Fragen Sie nach dem Gesamtpreis bei realistischer Nutzung.
- Nicht jeder braucht eine Lizenz: In den meisten Unternehmen nutzt nach einigen Monaten ein Teil der Belegschaft die KI täglich, ein anderer Teil selten. Ein Modell mit gestaffelten Lizenzen oder ein Pool-Budget kann deutlich günstiger sein.
- Einführungskosten: Schulung, Einrichtung der Rechte, Anbindung von Wissen und Abstimmung mit dem Betriebsrat kosten bei jeder Variante Zeit und Geld und sind oft höher als die Lizenzen im ersten Jahr.
Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen:
Kostenrechner
Was kostet ein Corporate LLM für Ihr Team?
Nutzerzahl und Nutzung anpassen. Die Kosten werden live auf Basis der öffentlichen Listenpreise berechnet.
Wirkt nur auf den Eigenbetrieb, Lizenzen kosten pauschal pro Nutzer.
Server für Chat-Oberfläche und Wissensanbindung plus Betreuung (Updates, Monitoring, Support, rund 1–2 Tage pro Monat). Schätzwert, bitte an Ihre Situation anpassen.
Für Anbieter mit Preisen in US-Dollar.
Monatliche Kosten, günstigste zuerst
pro Nutzer · pro Jahr
Davon Token-Kosten im Eigenbetrieb: pro Monat. Der größte Posten beim Eigenbetrieb ist fast immer die Betreuung, nicht das Modell.
Hinweis: Öffentliche Listenpreise, Stand 23.09.2026, netto und ohne Mengenrabatte. Enterprise-Tarife werden individuell verhandelt und sind nicht enthalten. Microsoft Copilot setzt eine bestehende M365-Lizenz voraus, Gemini ist in Google-Workspace-Plänen enthalten und deshalb nicht aufgeführt. Eigenbetrieb: ca. 1.500 Input- und 500 Output-Tokens pro Anfrage zu 0,15 € bzw. 0,25 € je Million Tokens, 21 Arbeitstage. Nicht enthalten: Einführung, Schulung und Integration, die bei jeder Variante anfallen. Preise ändern sich häufig, prüfen Sie sie vor einer Entscheidung beim Anbieter.
In der EU gehostet oder wirklich souverän?
„Server in der EU“ steht auf fast jeder Anbieterseite. Für die Einordnung Ihres Risikos reicht das nicht. Es gibt drei Stufen, die sich deutlich unterscheiden:
| Stufe | Was es bedeutet | Beispiele |
|---|---|---|
| 1. EU-Hosting bei US-Anbieter | Daten liegen in der EU, der Anbieter unterliegt aber US-Recht, darunter dem CLOUD Act | ChatGPT Enterprise mit Datenresidenz, Microsoft Copilot, Gemini |
| 2. Europäischer Anbieter auf US-Cloud | Vertragspartner sitzt in Europa, die Infrastruktur darunter gehört einem US-Konzern | Langdock, nuwacom (Azure), Telekom Business GPT |
| 3. Europäischer Anbieter auf europäischer Infrastruktur | Vertragspartner und Infrastruktur unterliegen europäischem Recht | meinGPT (Hetzner), nuwacom mit STACKIT, Mistral, STACKIT und IONOS im Eigenbetrieb, On-Premise |
Warum die Unterscheidung wichtig ist: Im Juni 2025 hat ein Vertreter von Microsoft France vor dem französischen Senat unter Eid erklärt, er könne nicht garantieren, dass Daten europäischer Kunden nicht an US-Behörden herausgegeben werden. Das heißt nicht, dass Stufe 1 und 2 unzulässig wären. Für die meisten Alltagsdaten ist ein sauberer AV-Vertrag mit EU-Hosting ausreichend. Es heißt aber, dass Sie bewusst entscheiden sollten, welche Daten auf welcher Stufe verarbeitet werden dürfen.
Entscheidungshilfe nach Schutzbedarf
| Schutzbedarf | Beispiele | Mindestens nötige Stufe |
|---|---|---|
| Öffentlich | Marketingtexte, Recherche, allgemeine Fragen | jede Stufe mit Business-Tarif |
| Intern | Protokolle, interne Anleitungen, Präsentationen | Stufe 1 mit AV-Vertrag und EU-Hosting |
| Vertraulich | Kundendaten, Personalakten, Verträge, Kalkulationen | Stufe 2 oder 3, abhängig von Kundenanforderungen |
| Streng vertraulich / Berufsgeheimnis | Mandantendaten, Patientendaten, Geschäftsgeheimnisse nach § 203 StGB | Stufe 3, idealerweise Eigenbetrieb oder dedizierte Instanz |
Viele Unternehmen landen bei einer Kombination: eine komfortable Plattform für den Alltag und eine abgeschottete Lösung für die sensiblen Bereiche. Das ist kein Widerspruch, sondern die in der Praxis häufigste Architektur.
Firmenwissen anbinden: SharePoint, Confluence und Zugriffsrechte
Der größte Nutzen eines Corporate LLM entsteht, wenn es nicht nur allgemein formuliert, sondern auf Ihr Firmenwissen zugreift: Handbücher, Verträge, Produktdaten, Richtlinien. Technisch geschieht das über Retrieval Augmented Generation (RAG): Die Plattform sucht passende Textstellen aus Ihren Dokumenten heraus und gibt sie dem Modell zusammen mit der Frage mit. Wie das im Detail funktioniert und wann einfache Konnektoren nicht mehr reichen, erklären wir in unserem Leitfaden zu Agentic RAG.
Für die Auswahl entscheidend ist eine Frage, die in Anbietervergleichen fast nie gestellt wird: Übernimmt die Plattform die Zugriffsrechte aus dem Quellsystem?
Wenn Sie einen SharePoint-Ordner mit Personaldaten an eine KI-Plattform anbinden, darf ein Mitarbeiter aus dem Vertrieb auf die Frage „Was verdient Kollege X?“ keine Antwort bekommen. Es gibt drei Varianten, wie Plattformen damit umgehen:
- Rechte werden dokumentgenau übernommen: Jeder Nutzer sieht nur Treffer aus Dokumenten, auf die er im Quellsystem Zugriff hat. Das ist der Goldstandard. Microsoft Copilot arbeitet so.
- Rechte werden pro Wissensbasis vergeben: Ein Administrator legt fest, welche Gruppe auf welche angebundene Wissensbasis zugreifen darf. Das funktioniert, erfordert aber Disziplin bei der Einrichtung.
- Keine Rechteprüfung: Alle Nutzer sehen alles, was angebunden wurde. Das ist nur für wirklich allgemeine Inhalte vertretbar.
Betriebsrat, Datenschutz und EU AI Act: Was vor der Einführung zu tun ist
Betriebsrat: Mitbestimmung ist die Regel
Hat Ihr Unternehmen einen Betriebsrat, ist die Einführung eines Corporate LLM in aller Regel mitbestimmungspflichtig. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG genügt es, dass eine technische Einrichtung objektiv geeignet ist, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen. Eine KI-Plattform mit Protokollierung, Nutzungsstatistiken und Chatverläufen erfüllt diese Voraussetzung. Hinzu kommen Unterrichtungs- und Beratungsrechte nach § 90 BetrVG bei der Planung technischer Anlagen.
Eine Betriebsvereinbarung zur KI-Nutzung regelt typischerweise:
- welche Tools für welche Zwecke eingesetzt werden
- welche Daten protokolliert werden und wer die Protokolle einsehen darf
- dass Nutzungsdaten nicht zur individuellen Leistungsbewertung verwendet werden
- welche Schulungen angeboten werden
- wie mit neuen Funktionen oder Modellen umgegangen wird, ohne jedes Mal neu verhandeln zu müssen
Binden Sie den Betriebsrat früh ein, idealerweise schon bei der Anbieterauswahl. Eine Rahmenvereinbarung, die künftige Tools nach festen Kriterien abdeckt, spart später viel Zeit.
Datenschutz: Die Pflichtdokumente
Für jede Plattform in diesem Vergleich brauchen Sie mindestens einen AV-Vertrag nach Art. 28 DSGVO, einen Eintrag im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten und eine KI-Nutzungsrichtlinie für die Mitarbeitenden. Ob zusätzlich eine Datenschutz-Folgenabschätzung nötig ist, hängt davon ab, welche Daten verarbeitet werden. Bei Personaldaten, Gesundheitsdaten oder einer umfangreichen Anbindung von Kundendaten ist sie in der Regel geboten. Klären Sie das mit Ihrer oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.
EU AI Act: KI-Kompetenz nach dem Digital-Omnibus
Artikel 4 des EU AI Act verpflichtet Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, seit Februar 2025 zu Maßnahmen für die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten. Mit dem Digital-Omnibus, der Verordnung (EU) 2026/1744, die am 27. Juli 2026 in Kraft getreten ist, wurde Artikel 4 abgeschwächt: Unternehmen müssen die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden nun fördern, statt ein bestimmtes Niveau sicherzustellen. Die Pflicht zu handeln bleibt aber bestehen. In Deutschland ist seit Ende Juli 2026 die Bundesnetzagentur als Marktüberwachungsbehörde zuständig.
Für die Einführung eines Corporate LLM bedeutet das konkret: Schulen Sie die Mitarbeitenden, bevor sie die Plattform nutzen, und dokumentieren Sie, wer wann welche Schulung erhalten hat. Ein allgemeiner Chat-Assistent für Texte und Recherche ist nach dem AI Act kein Hochrisiko-System. Das kann sich ändern, wenn Sie die KI für Personalentscheidungen oder Bonitätsprüfungen einsetzen. Eine vollständige Übersicht finden Sie in unserer EU-AI-Act-Checkliste, passende Schulungen in unserem Angebot für KI-Schulungen und Workshops.
Anbieterwechsel und Abhängigkeit: Was Sie vertraglich klären sollten
Nach einem Jahr Nutzung stecken in einer KI-Plattform Assistenten, Prompt-Bibliotheken, angebundene Wissensbasen und Gewohnheiten von Hunderten Mitarbeitenden. Wer dann wechseln will, merkt, wie viel davon an die Plattform gebunden ist. Klären Sie deshalb vor Vertragsschluss:
- Datenexport: Können Chatverläufe, Assistenten und Prompts in einem offenen Format exportiert werden?
- Wissensbasis: Liegen Ihre Dokumente weiterhin in Ihrem Quellsystem, oder werden sie auf die Plattform kopiert? Eine Synchronisation aus SharePoint ist leichter zu wechseln als ein Upload-Archiv.
- Modellwechsel: Können Sie das Modell hinter Ihren Assistenten austauschen, ohne sie neu zu bauen?
- Offene Standards: Unterstützt die Plattform das Model Context Protocol (MCP) und offene Schnittstellen, damit Ihre Integrationen nicht an einen Anbieter gebunden sind?
- Kündigung: Welche Laufzeiten und Kündigungsfristen gelten?
Hilfe bietet der EU Data Act, der seit dem 12. September 2025 gilt: Cloud- und SaaS-Kunden haben ein Recht auf Anbieterwechsel mit einer Kündigungsfrist von höchstens zwei Monaten. Wechselentgelte müssen ab Januar 2027 vollständig entfallen. Ein Vertrag, der dem widerspricht, ist ein Warnsignal.
Von der Schatten-KI zum Corporate LLM: Einführung in 90 Tagen
Die meisten Einführungen scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass Mitarbeitende beim gewohnten privaten Tool bleiben. Ein bewährter Ablauf für den Mittelstand:
Tage 1 bis 30: Grundlagen schaffen
- Bestandsaufnahme: Welche KI-Tools werden heute genutzt, offiziell und inoffiziell? Eine anonyme Umfrage liefert ehrlichere Antworten als ein Verbot.
- Schutzbedarf der Daten klassifizieren und die passende Stufe festlegen
- Zwei bis drei Anbieter vorauswählen, Testzugänge anfordern
- Betriebsrat und Datenschutzbeauftragte einbinden
Tage 31 bis 60: Pilot mit echten Aufgaben 5. Pilotgruppe von 10 bis 20 Personen aus mindestens zwei Abteilungen zusammenstellen, darunter die heutigen Schatten-KI-Nutzer 6. Konkrete Aufgaben testen, zum Beispiel Angebote formulieren, Protokolle zusammenfassen, Fragen zu internen Richtlinien beantworten 7. Messen: Wie oft wird genutzt, wie viel Zeit wird gespart, wo gibt es Probleme? 8. Die besten Prompts der Pilotgruppe in einer gemeinsamen Bibliothek sammeln
Tage 61 bis 90: Rollout 9. Anbieter festlegen, Verträge und Betriebsvereinbarung abschließen 10. KI-Nutzungsrichtlinie veröffentlichen und Schulungen durchführen, dokumentiert für Art. 4 AI Act 11. Rollout in Wellen, mit Ansprechpersonen in jeder Abteilung 12. Private KI-Konten für dienstliche Zwecke ab einem festen Datum untersagen, wenn das offizielle Angebot steht
Checkliste: Anforderungen an Ihr Corporate LLM
Nutzen Sie diese Checkliste für Gespräche mit Anbietern und für Ihre interne Abstimmung. Sie ist nach den Rollen gegliedert, die bei der Entscheidung mitreden.
Anforderungskatalog Corporate LLM
Kriterien für die Auswahl einer ChatGPT-Alternative, gegliedert nach Rolle
Geschäftsführung
- Gesamtkosten pro Jahr bei realistischer Nutzerzahl liegen vor inklusive Modell-, Workflow- und API-Kosten
- Staffelung oder Pool-Lizenzen für Wenignutzer sind möglich
- Einführungs- und Schulungskosten sind eingeplant
- Messbare Ziele für den Pilot sind festgelegt z. B. Nutzungsquote, eingesparte Stunden pro Woche
IT-Leitung
- Single Sign-on mit Ihrem Identitätsanbieter (z. B. Microsoft Entra ID)
- Automatische Benutzerverwaltung (SCIM) und Gruppen
- Konnektoren zu SharePoint, Confluence, Laufwerken oder weiteren Quellsystemen
- Zugriffsrechte aus den Quellsystemen werden dokumentgenau übernommen mit zwei Testkonten prüfen
- Schnittstellen (API, MCP) für eigene Integrationen
- Export von Chats, Assistenten und Prompts in offenem Format
Datenschutz und Informationssicherheit
- AV-Vertrag nach Art. 28 DSGVO liegt vor
- Hosting-Standort und Liste der Subunternehmer sind dokumentiert
- Vertraglicher Ausschluss des Trainings auf Ihren Daten
- Zertifizierungen: ISO 27001, SOC 2 oder BSI C5
- Speicherdauer und Löschkonzept für Chatverläufe
- Datenschutz-Folgenabschätzung geprüft und bei Bedarf durchgeführt
Personal und Betriebsrat
- Betriebsrat frühzeitig informiert (§ 90 BetrVG)
- Betriebsvereinbarung oder Rahmenvereinbarung zur KI-Nutzung abgeschlossen
- KI-Nutzungsrichtlinie veröffentlicht
- Schulungen zur KI-Kompetenz durchgeführt und dokumentiert (Art. 4 AI Act)
Häufig gestellte Fragen zur ChatGPT-Alternative für Unternehmen
Es gibt keine beste Alternative für alle. Unternehmen mit Microsoft 365 fahren oft mit Microsoft Copilot am besten, Unternehmen mit Google Workspace mit Gemini. Wer mehrere Modelle, EU-Hosting und einen europäischen Vertragspartner will, findet bei Plattformen wie Langdock, meinGPT, nuwacom oder 506.ai passende Angebote. Für Berufsgeheimnisse und höchsten Schutzbedarf ist ein Eigenbetrieb mit offenen Modellen auf STACKIT, IONOS oder eigener Hardware die sicherste Wahl.
Private Konten (Free und Plus) sind für dienstliche Zwecke nicht geeignet, weil es keinen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt. ChatGPT Business und Enterprise lassen sich datenschutzkonform einsetzen: OpenAI bietet einen AV-Vertrag mit OpenAI Ireland, trainiert standardmäßig nicht auf Geschäftsdaten und ist nach SOC 2 und ISO 27001 zertifiziert. Für Enterprise ist zusätzlich Speicherung und Verarbeitung in der EU buchbar. Offen bleibt der mögliche Zugriff von US-Behörden nach dem CLOUD Act.
Ein Corporate LLM ist ein KI-Assistent auf Basis großer Sprachmodelle, den ein Unternehmen zentral für seine Mitarbeitenden bereitstellt, mit AV-Vertrag, Single Sign-on, Rechteverwaltung und ohne Training auf Firmendaten. In der Regel trainiert das Unternehmen dafür kein eigenes Modell, sondern nutzt bestehende Modelle wie GPT, Claude, Gemini oder Mistral und verbindet sie mit seinem Firmenwissen.
Die Listenpreise der gängigen Plattformen liegen 2026 zwischen etwa 18 und 25 Euro pro Nutzer und Monat, zum Beispiel ChatGPT Business 20 US-Dollar, Microsoft Copilot Business 18,20 Euro als Add-on oder Langdock rund 25 Euro. Bei 50 Mitarbeitenden entspricht das etwa 900 bis 1.250 Euro im Monat. Hinzu kommen je nach Anbieter Kosten für Modelle oder Workflows sowie einmalige Kosten für Einführung und Schulung.
meinGPT läuft auf Servern von Hetzner in Deutschland, nuwacom bietet optional reines Deutschland-Hosting über STACKIT, und für den Eigenbetrieb stellen STACKIT und IONOS KI-Modelle aus deutschen Rechenzentren bereit. Viele andere Anbieter wie Langdock hosten in der EU auf Microsoft Azure. Ein deutscher Serverstandort allein schützt aber nicht vor dem CLOUD Act, wenn die Infrastruktur einem US-Konzern gehört.
Nicht vollständig. Unterliegt der Anbieter oder der Betreiber der Infrastruktur US-Recht, können US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen Zugriff verlangen, auch auf Daten in europäischen Rechenzentren. Microsoft France hat 2025 vor dem französischen Senat erklärt, dies nicht ausschließen zu können. Für die meisten Alltagsdaten ist EU-Hosting mit AV-Vertrag ausreichend, für Berufsgeheimnisse oder besonders schützenswerte Daten sind europäische Anbieter auf europäischer Infrastruktur oder ein Eigenbetrieb die bessere Wahl.
In der Regel ja. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht bei technischen Einrichtungen, die objektiv geeignet sind, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen. KI-Plattformen mit Protokollierung und Nutzungsstatistiken fallen darunter. Sinnvoll ist eine Betriebsvereinbarung, die Zwecke, Protokollierung, den Ausschluss individueller Leistungskontrolle und Schulungen regelt.
Artikel 4 verpflichtet Unternehmen, die KI einsetzen, zu Maßnahmen für die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten. Seit dem Digital-Omnibus, der am 27. Juli 2026 in Kraft getreten ist, müssen Unternehmen diese Kompetenz fördern, statt ein bestimmtes Niveau sicherzustellen. In der Praxis heißt das: Mitarbeitende vor der Nutzung schulen und die Schulungen dokumentieren. Ein allgemeiner Chat-Assistent ist kein Hochrisiko-System, bestimmte Einsätze wie Personalauswahl können es aber sein.
Ja, die meisten Plattformen bieten Konnektoren zu SharePoint, OneDrive, Google Drive und Confluence, einige auch zu SAP oder anderen Systemen. Entscheidend ist, ob die Plattform die Zugriffsrechte aus dem Quellsystem dokumentgenau übernimmt. Nur dann sieht jeder Mitarbeiter ausschließlich Antworten aus Dokumenten, die er auch selbst öffnen dürfte. Testen Sie das vor dem Rollout mit zwei Konten mit unterschiedlichen Rechten.
Ein Verbot allein wirkt selten. Wirksamer ist ein offizielles KI-Angebot, das mindestens so gut funktioniert wie private Tools, kombiniert mit einer klaren KI-Nutzungsrichtlinie und Schulungen. Beziehen Sie die Mitarbeitenden, die bereits privat mit KI arbeiten, in den Pilot ein und übernehmen Sie ihre besten Prompts in das offizielle Tool. Erst wenn das Angebot steht, sollte die dienstliche Nutzung privater Konten untersagt werden.
Ja, wenn Sie es vorher vertraglich und technisch vorbereiten. Achten Sie auf den Export von Chats, Assistenten und Prompts, darauf, dass Ihre Dokumente im eigenen Quellsystem bleiben, und auf offene Schnittstellen wie MCP. Der EU Data Act gibt Cloud- und SaaS-Kunden seit September 2025 zudem ein Recht auf Anbieterwechsel mit einer Kündigungsfrist von höchstens zwei Monaten.
Fazit: Die Frage ist nicht ob, sondern welches
Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen nutzt inzwischen KI, und in vielen davon arbeiten Mitarbeitende mit privaten Konten, weil es kein offizielles Angebot gibt. Die Frage ist 2026 deshalb nicht mehr, ob ein Unternehmen ein Corporate LLM braucht, sondern welches.
Die Antwort ergibt sich aus drei Faktoren: Ihrer vorhandenen Büro-Software, dem Schutzbedarf Ihrer Daten und Ihrer IT-Kapazität. Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind kleiner als die Unterschiede bei Datenhoheit, Rechteverwaltung und Wechselfähigkeit. Wer diese Punkte vor der Entscheidung sauber klärt, den Betriebsrat früh einbindet und die Mitarbeitenden schult, bekommt ein Werkzeug, das tatsächlich genutzt wird, statt einer weiteren Lizenz, die ungenutzt Geld kostet.
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